
Die Coesfelder SPD kritisiert die Ablehnung ihres Antrags auf eine Elternbefragung zur zukünftigen Entwicklung der Schullandschaft in Coesfeld. Ziel des Antrags war es ausdrücklich nicht, unmittelbar die Errichtung einer Gesamtschule zu beschließen. Vielmehr sollte zunächst ein aktuelles und möglichst breites Meinungsbild der Coesfelder Eltern erhoben werden.
Elternperspektive einbeziehen
„Wir wollten keine Vorentscheidung für oder gegen eine Gesamtschule treffen. Wir wollten zunächst die Eltern fragen, welche Vorstellungen und Wünsche sie für die Zukunft der Schullandschaft in Coesfeld haben", erklärt Matthis Tasler, stellvertretender Vorsitzender der Coesfelder SPD. Eine solche Befragung sei aus Sicht der Sozialdemokraten ein demokratisches Instrument, um die Interessen und Erwartungen der betroffenen Familien sichtbar zu machen.
Hintergrund der Debatte ist aus Sicht der SPD die weiterhin angespannte Situation im deutschen Bildungswesen. Die Ergebnisse der jüngsten PISA-Erhebungen sowie weitere Bildungsstudien zeigten deutlich, dass es Handlungsbedarf gebe. Nordrhein-Westfalen müsse seine Anstrengungen insbesondere bei der Bildungsqualität und bei der Verringerung sozial bedingter Bildungsungleichheiten verstärken.
Weiter-so in Schulpolitik reicht nicht
„Ein einfaches Weiter-so reicht aus unserer Sicht nicht aus. Wir müssen uns ernsthaft damit auseinandersetzen, wie wir Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft bestmögliche Bildungschancen ermöglichen können", so Sami Bouhari, Schulausschussmitglied und Landtagskandidat der SPD.
Die Sozialdemokraten wenden sich deshalb auch gegen eine Festlegung auf die alleinige Bewahrung der bestehenden Schulstrukturen. Die Diskussion über die zukünftige Schullandschaft müsse offen geführt werden. Dazu gehöre auch, über alternative Schulformen wie eine Gesamtschule zu sprechen.
Nicht über die Köpfe der Eltern hinweg diskutieren
Dabei betont die SPD ausdrücklich die Ergebnisoffenheit ihres ursprünglichen Antrags. „Wir gehen ohne vorweggenommenes Ergebnis in eine solche Befragung. Wenn sich dabei zeigt, dass viele Eltern eine Gesamtschule in Coesfeld wünschen, dann ist auch das ein Ergebnis, mit dem sich Politik auseinandersetzen muss. Genauso muss aber auch ein anderes Ergebnis akzeptiert werden."
Die Argumentation, eine Befragung könne bei Eltern Erwartungen wecken, die möglicherweise später nicht erfüllt werden könnten, überzeugt die SPD nicht. Eine Befragung sei keine Entscheidung für die Einführung einer bestimmten Schulform, sondern zunächst eine Möglichkeit, die Perspektive der Eltern systematisch zu erfassen.
„Gerade bei einer Frage, die Familien und die Bildungswege ihrer Kinder unmittelbar betrifft, sollten wir nicht über die Köpfe der Eltern hinweg diskutieren. Wir sollten sie fragen und ihre Antworten ernst nehmen", betont Bouhari.
Für die SPD ist deshalb klar: Die Debatte über die zukünftige Schulentwicklung in Coesfeld sollte sachlich, offen und auf Grundlage eines möglichst breiten Meinungsbildes geführt werden. Eine Elternbefragung könne hierfür eine wichtige Grundlage schaffen.