Wie die Sozialdemokratie nach Coesfeld kam - Ein Beitrag zum 825. Geburtstag der Stadt Coesfeld

Veröffentlicht am 12.03.2022 in Ortsverein

Ihre ersten 713 Jahre musste die Stadt Coesfeld ohne SPD auskommen (Wie konnte das nur so lange gut gehen?). Doch als auch in Coesfeld Ende des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Einzug hielt und die Soziale Frage auf die Tagesordnung brachte, bewegte sich politisch etwas. In den zahlreichen Textilfabriken in Coesfeld hatte sich eine Arbeiterklasse gebildet, die nach einer Verbesserung der teils katastrophalen Arbeits- und Sozialbedingungen sowie politisches Mitspracherecht und Demokratie strebte. Am 30. Januar 1910 gründeten schließlich 70 Arbeiterinnen und Arbeiter den SPD-Ortsverein Coesfeld. So konnten auch in der Stadt an der Berkel die Strukturen geschaffen werden, um das Ziel einer sozialen Demokratie zu erreichen.

Mit der Novemberrevolution 1918 und Gründung der Weimarer Republik kam die Coesfelder Arbeiterbewegung diesem Ziel schon ein ganzes Stück näher. So wurde 1919 mit Theodor Althaus der erste Sozialdemokrat in die Coesfelder Stadtverordnetenversammlung gewählt und konnte sich fortan auf kommunalpolitischer Ebene für die sozialdemokratischen Werte einsetzen. Doch schon wenige Jahre später stand auch in Coesfeld die Demokratie am Abgrund.  Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Althaus, obwohl er demokratisch gewählt war, per Polizeiverfügung im Frühjahr 1933 aus der Stadtverordnetenversammlung ausgeschlossen. Der SPD-Ortsverein musste sich auflösen, die Coesfelder Sozialdemokratie wurde ausgeschaltet, während die dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte folgten: Terror, Holocaust, Krieg und Zerstörung. Nach der Befreiung bauten die alten Ortsvereinsmitglieder sowie neu in die Stadt gekommene Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die SPD-Coesfeld wieder auf. Auch die lokale Demokratie in Coesfeld wurde neu organisiert. Als nach der Kommunalwahl 1948 ein neuer Bürgermeister gesucht wurde, fiel die Wahl schließlich auf einen Demokraten der ersten Stunde: Der Stadtrat wählte Theodor Althaus zum Bürgermeister. Damit erhielt Coesfeld nach 751 Jahren endlich seinen ersten SPD-Bürgermeister. Leider war es bisher auch der einzige Sozialdemokrat, der dieses Amt in Coesfeld bekleidete. Auch wenn wir hoffen, dass unsere aktuelle Bürgermeisterin noch viele Jahre im Amt bleibt, wünschen wir uns für die nächsten 825 Jahre, dass es nicht wieder 751 Jahre dauert, bis unsere Stadt den nächsten SPD-Bürgermeister bekommt. Denn auch wenn wir viele Fortschritte erzielen und Coesfeld sozialer und demokratischer machen konnten, bleibt noch viel zu tun in den nächsten 825 Jahren.

In diesem Sinne wünscht die SPD Coesfeld ihrer Stadt alles Gute zum Geburtstag!


Mehr Informationen zur Geschichte der SPD in Coesfeld: ►Die Geschichte der SPD in Coesfeld

 
 

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